Geschichten aus dem Alltag der Aktivierung, Pflege und Betreuung

August 2023

Was hab ich falsch gemacht?

Heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen von Herrn Meier (nein heute gibt es keine Frau Müller 😂). Ach ja, der Name ist natürlich geändert.Also Herr Meier ist schon über 95ig Jahre alt, hört nicht mehr so gut und ist manchmal auch ein wenig verwirrt. Herr Meier ist immer gepflegt angezogen, immer sehr freundlich und ein Lächeln im Gesicht.Zwischen den Gruppenstunden bin ich auf die Abteilung gegangen um mich mit verschiedenen BewohnerInnen zu unterhalten. Ich sah Herr Meier in seinem Rollstuhl sitzten, gegen das Fenster gedreht. Er hatte wie immer ein weisses Hemd und einen Pullunder darüber an.Ich ging zu ihm, voller Tatendrang, voller Elan und Freude. Ich war so schnell und laut. Ich sprach ihn und was machte Herr Meier? Er erhob die Hand, um mir eine Ohrfeige zu klatschen.Da Herr Meier nicht mehr der Jüngste war, hatte ich schnell reagiert und einen Schritt zurück gemacht.Ich habe kurz durchgeatmet. Langsam gibg ich auf Herr Meier zu und entschuldigte mich. Ich habe ihm erklärt, dass ich unüberlegt war und ich ihn nicht erschrecken wollte.Herr Meier lächelte mich mit seinem wunderbarem Lächeln an und sagte, dass es jetzt schon wieder gut sei.

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Juli 2023

Ich habe kein Geld bei mir

Mein Arbeitszimmer in der Aktivierung war auf einer Pflegeabteilung. Die Türe stand meistens offen und manchmal kamen die BewohnerInnen mit ihren Anliegen zu mir oder wollten einfach einen kurzen Schwatz halten.

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Juni 2023

Die empathische Raumpflegerin

Ich möchte euch von einem Erlebnis erzählen, welches ich vor etwa 17 Jahren erlebt habe. Diese Geschichte war wohl auch ein Grund, für meine "Berufswahl". Ich arbeitete als Pflegehilfe in einer Seniorenresidenz, mit einer Pflegeabteilung und Pflegewohnungen. In den Pflegewohnungen mussten wir eine "Runde" machen, um zu sehen, ob alles ok ist.Ich klopfte an die Türe von Frau Müller (Name natürlich geändert, bei mir heissen alle Müller 😂). Keine Antwort. Ich klopfte nochmals. Keine Reaktion. Frau Müller verlässt ihre Wohnung eigentlich nur sehr selten. Also gehe ich langsam in die Wohnung (war von der Chefetage so verlangt, dass wir Kontrolle machen). Frau Müller war nicht in der Küche und auch nicht in ihrem Wohnzimmer. Aber ich hörte deutlich Stimmen und Gelächter. Die kamen vom Balkon. Leider hatte Frau Müller nie Besuch von Bekannten oder Verwandten. Aber was höre ich denn da für Stimmen, dachte ich. Ich ging zum Balkon, da sass Frau Müller mit der Raumpflegerin. Sie sassen da, die Raumpflegerin rauchte mit Frau Müller eine Zigarette. Ich fragte kurz nach, ob alles in Ordnung sei. Frau Müller strahlte mich an und sagte, es sei alles Bestens.Später kam die Raumpflegerin zu mir und sagte, Frau Müller wünsche sich, dass sie nur das nötigste reinige und dann mit der übrigen Zeit, sich unterhalte mit ihr. Ich kann die Reinigungsfachkraft sehr gut verstehen, ich hätte das Selbe gemacht. Diese Geschichte hat mir einmal mehr die Augen geöffnet, wie wichtig Beziehungen und die Betreuung für Menschen (im Heim) ist. Für mich wäre in so einem Fall auch das Gespräch wichtiger, als eine fein geputzte Wohnung.

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